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Susanne Krüger-Lampe

Interim Managerin HR

PersonalIntern: Das Missverständnis der Leistungsbewertung

Leistungsbewertung verspricht Objektivität und Fairness, scheitert aber oft an der Realität von Arbeit. Susanne Krüger-Lampe erklärt, warum moderne Performance-Modelle zentrale Aspekte von Leistung ausblenden, und damit falsche Anreize setzen.

Zusammenfassung: 

Viele HR-Modelle gehen davon aus, dass Leistung objektiv messbar und vergleichbar sei. Tatsächlich ist Leistung jedoch immer kontextabhängig und entsteht im Zusammenspiel von Rolle, Verantwortung, Rahmenbedingungen und individueller Urteilskraft. Standardisierte Bewertungsmodelle blenden diese Komplexität häufig aus und messen vor allem das, was leicht quantifizierbar ist.

Ein zentrales Problem ist der Mythos der Vergleichbarkeit: Unterschiedliche Rollen und Tätigkeiten lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen. Einheitliche Bewertungsraster erzeugen daher oft keine Fairness, sondern eine verzerrte Scheingleichheit. Anhand des Beispiels der Debitorenbuchhaltung zeigt die Autorin, dass echte Leistung häufig in schwer messbaren Fähigkeiten liegt, etwa in Risikoeinschätzung, Kommunikation oder situativem Handeln.

In der Praxis greifen Führungskräfte deshalb häufig auf ihr „Bauchgefühl“ zurück, das als verdichtete Erfahrung und implizites Wissen verstanden wird. Statt dieses zu verdrängen, sollte es reflektiert und bewusst in Bewertungsprozesse integriert werden. Gleichzeitig wird die Rolle von KPIs relativiert: Sie sind lediglich Indikatoren und können die tatsächliche Leistung nur unvollständig abbilden, insbesondere in Krisen oder Transformationsphasen.

Für HR ergibt sich daraus die Aufgabe, differenziertere und realitätsnähere Systeme zu schaffen. Dazu gehört, Rollen klar zu definieren, Leistung von Potenzial und Marktwert zu trennen sowie Führungskräfte zu verpflichten, ihre Bewertungen nachvollziehbar zu begründen. Entscheidend ist zudem, die Grenzen von Vergleichbarkeit anzuerkennen.

Fazit: Leistungsbewertung kann nur dann wirksam sein, wenn sie die Komplexität von Arbeit akzeptiert. Systeme, die ausschließlich auf Standardisierung und Messbarkeit setzen, verfehlen ihr Ziel und verschleiern Verantwortung, statt sie zu unterstützen.

Den gesamten Artikel können Sie auf Personalintern.de lesen.

Susanne Krüger-Lampe | Interim Managerin HR


Susanne Krüger-Lampe ist Expertin für die Neuausrichtung administrativer HR-Abteilungen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Restrukturierung, Transformation und Change – besonders in herausfordernden Führungssituationen. Ihre Erfahrung zeigt: Veränderungen müssen nicht weichgespült, sondern klar gestaltet werden. Ihr Ansatz lautet: unangenehme Entscheidungen verständlich machen und wirksam umsetzen.

Kontakt: +49 179 511 66 05 susanne@krueger-lampe.de

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